Meditation – wenn mal nichts läuft

Bleibe hungrig und verrückt genug

IMG_1095Ein Spinner läuft alle Mal. Ein Spinner ist ein kleines, eigentlich unnützes Spielzeug. Nur zum Spielen, sonst zu gar nichts. Man nimmt den Spinner zwischen Daumen und Zeigefinger und lässt ihn drehen und schnurren. Je besser die Kugellager, umso besser dreht er sich. Wieder ein weiteres Spielzeug für Jungen und Männer? Nein! Ein Meditationsgegenstand um Dir klar zu machen: Es läuft! Es kann so locker laufen, wie der wirbelnde Spinner in Deiner Hand.

Trau Dich auch mal ein bisschen ungewöhnlich zu meditieren! Oder vielleicht bist Du ja auch schon ein Spinnerfan. Dann kannst Du das Ding auch mal anders verwenden als nur zu zeigen, was Du drauf hast. Es kann laufen! – auch wenn scheinbar mal gar nichts läuft. Schau den wirbelnden Spinner an (Betriebsanleitung auf YouTube in englisch. Man muss nichts verstehen, zuschauen reicht: https://youtu.be/xCCXCJO4FDE). So ein Spinner kann helfen, offen zu werden für das, was gerade läuft. Und vielleicht ist ja das, was gerade läuft, etwas für Dich: „Stay hungry, stay foolish“ – Bleibe hungrig, bleibe verrückt. Man kann über Steve Jobs (apple) denken, was man will, sein zitierter Schlussapell vor den Absolventen der Uni in Stanford 2005 ist ein Plädoyer für Offenheit und die Suche nach dem, was Dich lebendig hält. Christlich ausgedrückt: Bleibe hungrig, bleibe verrückt genug um zu erkennen, was Gott Dir gerade schenken will. Vielleicht ist es ja so ein scheinbar nichtnutziges Spielzeug zum Meditieren oder womit Du Dich auch immer gerade beschenkt fühlst.

Attentat in Barcelona Do 17.8.17

Vertrauen als Gegenmittel

Schon wieder solche Irren! Die Wut steigt in mir hoch. Jetzt muss doch endlich was passieren! Das kann doch nicht wahr sein! Hilflos muss man mit ansehen, wie die kaltblütig – und dann auch noch religiös motiviert – einfach Menschen ausgelöscht bzw. schwer verletzt werden. Wenn ich im Bus einen arabisch aussehenden jungen Mann mit tief schwarzen Haar und Bart sehe, kann mir schon mal mulmig werden.

Szenenwechsel: Ich baue beim Gemeindefest mit einem afghanischen und einem syrischen Flüchtling zusammen die Biergarnituren auf. Wir kommen ins Gespräch. Der sympatische junge Mann aus Afghanistan erzählt mir wie er fast den ganzen Weg aus seinem Land über den Iran zu Fuß zurück gelegt hat – mit einer Zitterpartie im Mittelmeer. Er hofft, nicht zurück geschickt zu werden. Ein Rechtsanwalt ist eingeschaltet. Ich könnte mir diesen jungen Mann gut als kompetenten Mitarbeiter vorstellen. Es ist begabt, spricht nach einem Jahr äußerst gut Deutsch -besser als ich in „100 Jahren“ „Afghanisch“ reden würde. Auch der junge Mann aus Syrien ist sehr sympatisch. Seine Verbrennungsnarben an Händen, Füßen und im Gesicht machen mich nachdenklich. Er darf hier bleiben. Auch mit ihm habe ich ein herzliches Verhältnis. Er ist bei uns integriert. Gegen die Hilflosigkeit, die Wut und die Angst hilft einfach nur „Beziehung“.

Die große Mehrheit der Menschen, die so aussehen als ob sie auch Terroristen sein könnten, sind solche Leute wie die beiden jungen Männer, mit denen ich gearbeitet habe. Ich kenne auch sehr aufgeschlossene und modern denkende Mitglieder aus Moscheegemeinden. Es gibt Demonstrationen von Flüchtlingen gegen den Terror. Es wird klar: Die große Mehrheit ist anders. Es gilt, das Vertrauen nicht zu verlieren. Es ist das einzige Mittel gegen die Hilflosigkeit, die Wut und die Angst. „Vertrauen“ und „glauben“ meinen dasselbe. Vertrauen entsteht zwischen Menschen. Ich erkenne: Vertrauen ist ein Geschenk. Ich kann mich dafür öffnen. In all dem wächst auch das Vertrauen zu Gott. Ich kann so schwer vertrauen – bei all dem, was um mich herum passiert. Gott muss etwas mit mir passieren lassen: Er schenkt mir Vertrauen!

Angst vor´m Gewitter

schön, wenn man etwas überstanden hat

Eigentlich bin ich kein so ein arger Angsthase, aber … auf der letzten Wandertour. Plötzlich merke ich wie es donnert. Wie aus dem Nichts ist ein Gewitter da. Noch nicht direkt über mir. Es ist im Anmarsch. Ich bin auf halbem Weg. Soll ich zurück zum sicheren Auto? Nein! Ich will ja wandern! Aber die Gefahr? Neben mir fließt ein malerischer, klarer Bach. In diesem Moment scheint er weniger malerisch, nur ärgerlicher Anziehungspunkt für mögliche Blitze. „Ach, was!“, sage ich mir, „das Gewitter zieht schon ab!“ Aber der Donner wird lauter. Es kracht über mir. Jetzt reicht´s! Wie schaut es mit meinem Gottvertrauen aus? Mir wäre lieber, ich bräuchte es gar nicht und das Gewitter zieht wieder ab. Ich ergebe mich in die Situation. Nützt sowieso nichts! Ich spüre: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die habe ich ganz und gar nicht im Griff. Soetwas hat mich im Griff. Ich wage zu hoffen, dass es Gott ist, der mich darin im Griff hat – nicht im Würgegriff, sondern in seiner schützenden Hand. Schließlich entfernt sich das Gewitter. Ein behagliches Gefühl macht sich wieder in mir breit. Es ist doch schön, wenn man etwas überstanden hat. Gott sei Dank!

Wieder volles Programm?

Auswählen statt ausrutschen

IMG_1061Oft packt mich der Tatendrang, wenn ich eigentlich schon aufhören müsste – um 23:00 Uhr, wenn ich besser schon etwas herunterfahren sollte. Aber dann endecke ich etwas im Internet, einen Gedanken in einem Buch, eine mail – und ruckzuck bin ich in den Bann gezogen, reingesaugt. Der Uhrzeiger dreht sich weiter. Es ist leider wieder spät. Der nächste Morgen schon wieder etwas unausgeschlafener. Doch es geht auch anders: Um 22:00 Uhr letzte Aktion – auswählen, was noch geht – und dann ist Schluss! Ich rutsche nicht aus, werde nicht in den Bann gezogen von irgendetwas, reingesogen und gezogen. Ich schaue auf die Uhr, nehme mir kurz Zeit, halt inne und frage mich wie der Tag enden soll. Ich atme kurz durch – dreimal „ein – aus“ und vielleicht bete ich auch das Jesusgebet. Es hilft mir, mich zu konzentrieren, zu einem Ende zu finden, die Dinge ruhen lassen zu können. Wenn Du wissen willst, was das „Jesusgebet“ ist und wie es praktiziert wird, kannst Du unter dem Menuepunkt „Erklärungen“ nachsehen.

Bei mir sein

„Betriebsanleitung“ für den Alltag

Es ist dieses Bei-mir-sein, was mich immer wieder neu ausrichtet. Es ist eigentlich ganz einfach. Irgendwie gerade hinsetzen. So, dass die Statik meines Körpers mich trägt und im Augenblick nichts schmerzt. Ich pendle mich ein in eine Gleichgewichtshaltung. Das tut gut. Bringt mich auch innerlich etwas ins Gleichgewicht. Dabei nehme ich meine Atmung wahr ohne sie beinflussen zu wollen. Beobachte mich wie ich atme. Es tut gut einmal nur zu atmen. Sonst nichts. Und diese stabile Körperhaltung einnehmen. Es reicht bei mir zu sein. Ich beginne zu hören, was sich um mich herum tut. Ein vorbeifahrendes Auto. Irgendwo Wasserrauschen. Da duscht einer. Ein Brummen, ein Knacksen. Ich bin wach, nehme einfach nur wahr was ist ohne mir einen Kopf zu machen

Was ist daran geistlich? Es ist etwas Geistliches, dem Raum zu geben, was ist. Ich gebe mir Raum. Ich gebe dem Raum, was ist. Alles darf sein, wird mir zum Geschenk. Aber bei all dem spüre ich auch das, was mir den Raum zum Leben nimmt. Und nicht nur mir auch anderen. Mir wird klar, was ich tun muss um mir und den Menschen um mich herum Lebensraum zu schaffen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wenn du soetwas tust begegnest du Gott und spürst, was dir und mir geschenkt ist. Jesus konnte das ganz einfach auf den Punkt bringen. Er ist ein Lebensmodell, das in uns wirken kann. Auch heute noch.

Vom Panorama zum Kleinformat

Eine erste Standortbestimmung


Wenn es mir gut geht, kann ich in die Weite sehen wie in diesem Panoramabild ganz oben auf der Seite: Weite Wasserfläche, geräumige Bergwelt. Das erzeugt in mir spirituelle Wellness. Ich bin da! Ganz im Augenblick in dieser sagenhaften Natur. Nur „geistliche Weite“ ist noch mehr: Eine Weite, die auch noch den Alltag durchsteht. Hier ist das Format kleiner. Pause vom Alltag. Ein ruhiger Vormittag am Gartentisch eines Gasthofs mit Blick in den Garten, eine Zeitschrift und eine kühle Saftschorle. Niemand stört zu dieser Zeit beim Lesen. Gedanken schweifen.  Ich bin bei mir. Fühle wie ich hier gut sitze und frei atmen kann. Für Augenblicke bin ich dankbar, dass alles so ist wie es ist, bin beschenkt, gerade mal wunschlos glücklich. Dieses „Beschenkt-sein“ hat mit dem „Spirit“ zu tun, mit dem Geist, der dich frei macht und offen, dein Leben zu entdecken.