Attentat in Barcelona Do 17.8.17

Vertrauen als Gegenmittel

Schon wieder solche Irren! Die Wut steigt in mir hoch. Jetzt muss doch endlich was passieren! Das kann doch nicht wahr sein! Hilflos muss man mit ansehen, wie die kaltblütig – und dann auch noch religiös motiviert – einfach Menschen ausgelöscht bzw. schwer verletzt werden. Wenn ich im Bus einen arabisch aussehenden jungen Mann mit tief schwarzen Haar und Bart sehe, kann mir schon mal mulmig werden.

Szenenwechsel: Ich baue beim Gemeindefest mit einem afghanischen und einem syrischen Flüchtling zusammen die Biergarnituren auf. Wir kommen ins Gespräch. Der sympatische junge Mann aus Afghanistan erzählt mir wie er fast den ganzen Weg aus seinem Land über den Iran zu Fuß zurück gelegt hat – mit einer Zitterpartie im Mittelmeer. Er hofft, nicht zurück geschickt zu werden. Ein Rechtsanwalt ist eingeschaltet. Ich könnte mir diesen jungen Mann gut als kompetenten Mitarbeiter vorstellen. Es ist begabt, spricht nach einem Jahr äußerst gut Deutsch -besser als ich in „100 Jahren“ „Afghanisch“ reden würde. Auch der junge Mann aus Syrien ist sehr sympatisch. Seine Verbrennungsnarben an Händen, Füßen und im Gesicht machen mich nachdenklich. Er darf hier bleiben. Auch mit ihm habe ich ein herzliches Verhältnis. Er ist bei uns integriert. Gegen die Hilflosigkeit, die Wut und die Angst hilft einfach nur „Beziehung“.

Die große Mehrheit der Menschen, die so aussehen als ob sie auch Terroristen sein könnten, sind solche Leute wie die beiden jungen Männer, mit denen ich gearbeitet habe. Ich kenne auch sehr aufgeschlossene und modern denkende Mitglieder aus Moscheegemeinden. Es gibt Demonstrationen von Flüchtlingen gegen den Terror. Es wird klar: Die große Mehrheit ist anders. Es gilt, das Vertrauen nicht zu verlieren. Es ist das einzige Mittel gegen die Hilflosigkeit, die Wut und die Angst. „Vertrauen“ und „glauben“ meinen dasselbe. Vertrauen entsteht zwischen Menschen. Ich erkenne: Vertrauen ist ein Geschenk. Ich kann mich dafür öffnen. In all dem wächst auch das Vertrauen zu Gott. Ich kann so schwer vertrauen – bei all dem, was um mich herum passiert. Gott muss etwas mit mir passieren lassen: Er schenkt mir Vertrauen!